Wieso fällt die Umstellung so schwer?

Im Bereich der Ernährung geht es um gewohnte, integrierte und feste Verhaltensmuster, welche wir uns bereits als Kind am Esstisch von unseren Eltern abgeschaut haben. Hinzu kommt erschwerend die regelmäßige Beeinflussung durch unser soziales Umfeld, soziale Medien, Werbung sowie die Lebensmittelindustrie. Sie trägt dazu bei, dass unsere Ernährung nährstoffarm, voller Zusatzstoffe und natürliche Aromen ist. Die Konsumenten sollen lediglich „süchtig“ gemacht werden, sodass sie die Produkte bei jedem Einkauf erneut in den Wagen legen. Mit Aufdrucken wie „zuckerfrei“, „proteinreich“ und „low-carb“ soll bei dem Verbraucher der Eindruck erweckt werden, dass er etwas Gesundes isst, was bei einem genaueren Betrachten der Zutaten, natürlich nicht der Fall ist. Ab dem Zeitpunkt, an dem wir etwas ändern wollen, spielt unser Suchtzentrum in unserem Gehirn eine große Rolle. Unser Gehirn liebt das Gewohnte und Bequeme, da es uns Sicherheit und Komfort gewährt. Nach einer beschlossenen Änderung des Essensplans oder der Diät folgen häufig Heißhunger-Attacken.

Warum ist das so?

Es ist nicht nur ein psychologisches Phänomen, sondern hängt mit den Botenstoffen Adrenalin & Dopamin zusammen. Jedes Mal, wenn wir etwas wiederholt tun und dadurch Dopamin freigesetzt wird, speichert unser Kleinhirn (Reptiliengehirn) dies als überlebensnotwendige Aktion ab. In unserem Fall wird also das Vollstopfen von nährstoffdichten und ungesunden Lebensmitteln auf dieselbe Stufe gestellt, wie z.B. das auf die Toilette gehen, das Trinken oder der Fortpflanzungstrieb. Das Kleinhirn kann hier nicht differenzieren. Fehlen nun diese Glücksbotenstoffe, geht das Reptiliengehirn von einer lebensbedrohlichen Situation aus. Es sendet Gedanken, die in etwa wie folgt lauten: “iss das jetzt alles auf, wer weiß wann du wieder Nahrung findest”, „Du hast mir den ganzen Tag kaum Nahrung gegeben, es ist wichtig bei der nächsten Gelegenheit viel zu essen.“

Dieses Muster kann man nur durchbrechen, wenn man sich über die Tatsache bewusst wird, dass wir noch einen animalischen Teil in unserem Gehirn besitzen, der uns nach wie vor das Überleben sichern möchte, auch wenn keine Gefahr besteht. Jetzt würden vermutlich viele Menschen anbringen, dass eine Umstellung genau aus diesem Grund ja gar nicht notwendig sei und man einfach ein gesundes Maß der Ernährung finden sollte. Oft wird auch der Terminus "intuitives Essen" verwendet. Was viele Leute dabei vergessen ist, dass unsere sogenannte „Intuition“ heutzutage von zwei starken Faktoren beeinflusst wird:

Emotionen und Süchte.

Somit bleibt also nicht mehr viel von der eigentlichen Intuition übrig. Genauso ist es mit dem „gesunden Maß“. So viele Menschen denken, dass sie sich gesund ernähren, obwohl das nicht der Fall ist. Sie machen sich keine Gedanken über ihren Proteinkonsum und merken dabei nicht, dass eine proteinreiche Ernährung eigentlich eine Fettreiche ist. Sie denken gesunde Fette wie Avocado, Leinsamen, Nussmus und Co. kann man in Massen konsumieren, da es ja „gesund“ ist. Das ist ein fataler Fehler und führt dazu, dass die Leute mit dem gesunden Maß eigentlich die ganze Zeit in einem ungesunden Maß umherschwimmen. Wenn sie jetzt denken, Sie möchten sofort Ihre Ernährung von 0 auf 100 umstellen, muss ich Sie warnen: Eine radikale Umstellung der Ernährungsgewohnheiten ist ebenfalls nicht zu empfehlen, da die Leber sonst Unmengen an Giften in den Blutkreislauf lässt, was zu Heißhungerattacken führt, damit die Entgiftung wieder gestoppt wird. Also alles mit der Ruhe und langsam angehen.

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